Chefarzt am Kantonalen Spital Altstätten

Vom September 2001 bis zur politisch gewollten Schliessung im Dezember 2005 bekleidete ich das Amt des Chefarztes der Klinik der Gynäkologie und Geburtshilfe am Kantonalen Spital Altstätten.

Das Kantonale Spital Altstätten ist ein 100 Betten Spital mit den Kliniken für Chirurgie, Medizin und Orthopädie, die Klinik für Gynäkologie/Geburtshilfe wurde Ende 2005 aufgelöst. Das Spital gehört seit der Einführung von Quadriga zur Versorgungsregion 2, zu der auch die Spitäler Grabs und Walenstadt gehören. Gemeinsam sind diese Spitäler für die Grundversorgung einer Bevölkerung von 120'000 Menschen zuständig, von denen 60'000 in das Einzugsgebiet des Spitals Altstätten fallen. Seit dem Januar 2006 wird das Spital Altstätten neu mit dem Schwerpunkt Geriatrie/innere Medizin weitergeführt, die operativen Kliniken arbeiten nur noch im Rahmen der Tages- bzw. Wochenklinik, nachts und an Wochenenden ist der Operationssaal geschlossen. Trotzdem wird über alle Disziplinen ein Notfallbetrieb rund um die Uhr gewährleistet. Nach der Schliessung der Klinik sind die Schwangeren dieses grossen Einzugsgebietes gezwungen, sich neu zu orientieren und zur Geburt in eines der Nachbarspitäler auszuweichen.

Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe betreute in den letzten Jahren ihres Bestehens jährlich zwischen 260-300 Geburten. Während meiner Amtszeit wurden verschiedene Neuerungen eingeführt und insbesondere die Geburtshilfe wurde zeitgenössischen Bedürfnissen angepasst. Unterstützt von einem motivierten Hebammenteam boten wir Akupunktur, Homöopathie, Aromatherapie und ähnliches an; unter der Geburt stand die ganze Palette von Wasser, Gebärhocker bis zum Gebärbett zur Verfügung. Die Geburtsposition konnte von der Frau bestimmt werden, wir wendeten den Dammschnitt sehr zurückhaltend an und gaben dem Riss den Vorzug, ebenfalls förderten wir den Einsatz des Geburtentrainers Epi-No. Bei Bedarf stand rund um die Uhr die Möglichkeit einer Periduralanästhesie zu Verfügung, ebenfalls konnte jederzeit falls notwendig operativ (Saugglocke, Kaiserschnitt) eingegriffen werden. Wir betreuten auch spontane Geburten aus Steisslage und von Zwillingen, falls die nötigen Voraussetzungen erfüllt waren. Dieses Angebot wurde von unseren Gebärenden sehr geschätzt, doch leider fehlte uns die Zeit und auch die nötige moderne Infrastruktur des Spitals, um die Geburtenzahlen in den geforderten Bereich zu steigern.

Nach der Geburt stand das engagierte Team des Wochenbetts bereit, welches die Wöchnerinnen bei der Kinderpflege und dem Stillen unterstützte und diesen auch eine gewisse Entlastung bot. Auf Wunsch stellten wir auch ein Familienzimmer zur Verfügung, damit der Partner in den ersten Tagen nach der Geburt mit der Frau und dem Neugeborenen zusammen sein konnte. Der erfolgreiche Erwerb des UNICEF-Zertifikats als "stillfreundliches Spital" im Frühling 2004 unterstrich das Engagement der Schwestern und zeigte das hohe Niveau unserer Arbeit. Trotz diesen Bemühungen entschied Frau Regierungsrätin Hanselmann, die Klinik auf Ende 2005 im Sinne einer Opfersymmetrie zusammen mit den gynäkologisch-geburtshilflichen Kliniken an den Standorten Flawil und Wattwil (beides Orte, an denen ich einen Teil meiner Ausbildung absolviert hatte!) zu schliessen.

Im gynäkologischen Bereich boten wir - von wenigen Ausnahmen abgesehen - das gesamte Spektrum an Operationen unseres Fachs an. Besonders hervorheben möchte ich hier die minimal-invasiven Methoden wie die Gebärmutterentfernung mittels Bauchspiegelung, die Gebärmutterspiegelung, welche sowohl diagnostisch wie auch therapeutisch eingesetzt wird und die Inkontinenz-Operation mit dem TVT (einer Schlingenoperation in lokaler Betäubung ohne Bauchschnitt). Daneben führten wir auch grössere Baucheingriffe sowie Eingriffe an der Brust inkl. Brustkrebs-Operationen durch. Lediglich sehr grosse Krebs-Operationen oder solche bei internistischen Risikopatientinnen, welche eine Intensivstation benötigen, wiesen wir an die Frauenklinik des Kantonsspitals St. Gallen weiter.

Diese Erfahrungen nehme ich nun als Belegarzt an das Kantonale Spital Heiden mit, welches mich mit offenen Armen willkommen geheissen hat und mir die Möglichkeit gibt, Patientinnen aus meiner Sprechstunde operativ und geburtshilflich zu betreuen. Auch das Spital Heiden besitzt das UNICEF-Zertifikat als "stillfreundliches Spital" und pflegt die gleiche frauenfreundliche Philosophie in der Geburtshilfe, welche ich oben beschrieben habe. Die Infrastruktur ist auf dem neuesten Stand, alle Zimmer besitzen eine Nasszelle und zeitgemässen Komfort (etwas, auf das das Spital Altstätten noch Jahre wird warten müssen). Der Weg nach Heiden ist nicht weit, von Altstätten aus ist man in weniger als 20 Minuten dort, womit dieses Spital näher liegt als Grabs oder St. Gallen. Die Wahl des Spitals Heiden als neuer Partner war für mich somit naheliegend und ich freue mich, meinen Patientinnen diese für alle wohl beste Lösung anzubieten.